Arbeit! Und trotzdem arm?
28.000 Hamburger erhalten trotz Arbeit Hartz IV
Wohlfahrtsverbände starten 4. Hamburger Kampagne "Fehlt Ihnen etwas? Beratung kann helfen!"
zu verdeckter Armut!
In Hamburg leben über 200.000 Menschen in Armut. Mehr als 10 % von ihnen erhalten aufstockende
Leistungen nach Hartz IV. Die Zahl der Menschen, die Leistungen nach Hartz IV erhalten, obwohl
sie einen Job haben, ist in Hamburg seit Jahresbeginn um rund ein Viertel gestiegen. Sie arbeiten
in prekären Beschäftigungsverhältnissen mit Niedriglöhnen und in unsicheren Arbeitsverhältnissen.
Michael Edele, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege:
"Es ist schon überraschend: Die Konjunktur brummt und die Arbeitslosenzahlen sinken, aber die
Zahl der Leistungsempfänger von Hartz IV steigt weiter an. Immer mehr Menschen können ihren
Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit nicht mehr bestreiten. Hier wird ein staatlich finanzierter
Kombilohn durch die Hintertür eingeführt."
Viele erwerbstätige Hamburger wissen nicht, dass sie Ansprüche auf aufstockende Sozialleistungen
haben. Nach Dunkelzifferstudien müssten eigentlich mehr als 80.000 Hamburger ergänzende Sozial-
leistungen erhalten.
Dr. Irene Becker, Universität Frankfurt:
"Aus meinen Studien wird deutlich, dass das Problem der verdeckten Armut vor allem Erwerbstätige
betrifft. Die Zahl der tatsächlich Bedürftigen beläuft sich hier etwa auf das Dreifache der Zahl
der so genannten Aufstocker."
Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung der 4. Hamburger Kampagne zu verdeckter Armut stehen aus
diesem Grunde die sogenannten "working poor", also Menschen, die Arbeit haben, deren Einkommen
aber unterhalb der Armutsgrenzen liegt.
Die Hamburger Wohlfahrtsverbände fordern daher:
- Von Arbeit muss man leben können! Tarifpartner und Politik sind aufgefordert für armutsfeste
Löhne zu sorgen.
- Verbesserung des Zugangs zu den Sozialleistungen! Hilfebedürftige Menschen müssen von
den staatlichen Stellen über die Gesamtheit der Sozialleistungen umfassend informiert werden.
- Unabhängige Beratung erhalten! Die Beratungsstellen der Freien Wohlfahrtspflege sind als
freie nicht staatliche Hilfsangebote in ihrer Existenz zu sichern, um eine unabhängige
Beratung der Menschen zu ermöglichen.
Mit der Kampagne "Fehlt Ihnen etwas? Beratung kann helfen!" wollen die Verbände die Menschen unter-
stützen und beraten, die in verdeckter Armut leben, sie über ihre Ansprüche auf Sozialleistungen auf-
klären und sich für die Durchsetzung dieser Rechte einsetzen. Diese Kampagne richtet sich nicht nur
an die "working poor", sondern an alle hilfebedürftige Menschen, die Beratungsbedarf haben.
Dazu wird am kommenden Donnerstag einmalig ein zusätzliches Beratungsangebot geschaffen:
öffentlicher Beratungstag am 27.09.2007
Fast 60 Beraterinnen und Berater werden von
10.00 bis 16.00 Uhr soziale Beratung auf den Straßen der
Stadt anbieten. In sieben Hamburger Stadtteilen sind die Verbände mit Informationsständen vor Ort:
- Altona: Ottenser Hauptstraße / Ecke Spritzenplatz
- Bergedorf: Alte Holstenstraße 30
- Billstedt: vor dem Einkaufszentrum Möllner Landstraße
- Harburg: vor den Harburg Arcaden (bis 14.00 Uhr)
- Eimsbüttel Osterstraße / Ecke Heußweg
- Neugraben: In der Fußgängerzone vor Kaufland (bis 14.00 Uhr)
- Osdorfer Born: Im Born Center vor dem Stadtteilbüro
Liste der Beratungsstände zum Herunterladen (PDF-Datei*)
weitere Infos:
www.fehlt-ihnen-etwas.de
Michael Edele, Geschäftsführer der AGFW, Tel. 23 15 86
Monika Schmolke, Kampagnenkoordinatorin Beratungstag, Mook wat, Tel.: 593 929 68
Wolfgang Völker, Referent im Diakonischen Werk Hamburg, Tel. 306 20 325
Wohlfahrtsverbände in Hamburg:
Gemeinsam finden wir eine Lösung.
Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg e.V.